Radio Corax – Quo Vadis?
Am 22. September sollte in den Räumen des
Freien Radiosenders »Radio Corax« in Halle eine Veranstaltung
mit dem Titel »Widerstand im Irak« stattfinden. Als Referent
war Klaus von Raussendorff geladen, als Veranstalter trat die DKP
Halle/Merseburg auf. Der Vorstand von Radio Corax war von den Veranstaltern
nicht über den Inhalt des Vortrags informiert worden. Nachdem
er darauf aufmerksam gemacht wurde, distanzierte er sich von der Veranstaltung,
wollte jedoch nicht als »Zensor« auftreten und die Veranstaltung
absagen. Antifaschisten sorgten durch ihr Erscheinen schließlich
dafür, dass der Vortrag nicht beginnen konnte. Vertreter von
»Radio Corax« entschieden sich nach einer längeren
Diskussion schließlich, die Veranstaltung abzubrechen. Das unten
dokumentierte Flugblatt der AG »No tears for Krauts« Halle
wurde im Verlauf der Veranstaltung verteilt. (Dokumentation)
Am 22.September soll in den Räumen des Freien
Radios »Radio Corax« in Halle die Veranstaltung »Widerstand
im Irak« stattfinden. Organisiert wird diese von der DKP Halle/Merseburg.
Die Veranstaltung findet im Rahmen eines »Aktionstages zum vierten
Jahrestag der Intifada« statt. Dabei haben sich die Organisatoren
etwas ganz besonderes ausgedacht. Nicht nur – wie in jedem Jahr
– soll die Intifada in Israel glorifiziert werden, sondern auch
dem »Widerstand« gegen die Besatzung im Irak soll hinreichend
Raum gegeben werden.
Ein Blick auf die Organisatoren und den Referenten Klaus von Raussendorff
verrät, was nach Betrachtung des Plakats zur Veranstaltung in
Halle ohnehin klar sein müsste. Es geht um die Glorifizierung
so genannter Widerstandsaktionen im Irak, besser bekannt als tägliche
Terroranschläge vor allem auf amerikanische, britische, polnische
usw. Truppen, irakische Polizeikräfte und diesen loyal gegenüberstehende
Zivilisten oder Organisationen. Diese »Widerstandskämpfer«,
die sich vor allen aus Baathisten, Islamisten und Panarabisten rekrutieren,
wollen eine Entwicklung jenseits von Diktatur und Gottesstaat mit
aller Macht verhindern und vor allem eins: den USA und Israel als
Repräsentanten westlicher Moderne empfindlichen Schaden zuzufügen.
Raussendorff, DKP und Co.
Raussendorff arbeitete über 30 Jahre lang verdeckt für die
Staatsicherheit, brachte es bis zum Botschaftsrat im Auswärtigen
Dienst und wurde erst mit dem Ende der DDR im Frühjahr 1990 als
Doppelagent enttarnt. [1] Raussendorff ist einer der Erstunterzeichner
einer Initiativgruppe »für die Freilassung aller palästinensischen
politischen Gefangenen«. [2] Dass es dabei kaum um Fahrraddiebe
und Falschparker geht, sondern explizit auch um Terroristen von Hamas,
Islamischem Jihad und Al-Aksa-Brigaden, versteht sich von selbst.
Freiheit für all jene zu fordern, deren Anliegen die Vernichtung
Israels und die Ermordung aller Juden ist, meint mit der antiimperialistischen
Chiffrenforderung nach einem »gerechten Frieden« nichts
anderes, als das Absprechen der Existenzberechtigung des jüdischen
Staates. Doch Raussendorff hat noch mehr zu bieten, als die Unterstützung
palästinensischer Antisemiten und Attentäter. So ist der
Herausgeber der »Antiimperialistischen Korrespondenz«
(AIK) [3] und Kämpfer für die Freiheit Slobodan Milosevics
[4] einer der maßgeblichen Initiatoren bzw. Unterstützer
der Kampagne »10 Euro für den irakischen Widerstand«.
Deutsche, italienische und österreichische Antiimperialisten
sammeln dabei Geld zur Unterstützung der »Irakischen Patriotischen
Allianz« (IPA). Diese führt seit dem formalen Sieg der
US-Army über die irakische Diktatur Saddam Husseins Terrorakte
gegen US-Soldaten und deren Unterstützer durch. Jabbar al-Kubaysi,
Präsident der IPA, antwortete auf die Frage nach Zivilisten,
die solchen Terrorakten zum Opfer fallen: »Alle Formen des Widerstandes
sind legitim. Es kann nur vermutet werden, dass dahinter der amerikanische
oder israelische Geheimdienst steht.« [5] Al-Kubaysi war bereits
seit 1963 Mitglied der Baath-Partei und am ersten Putsch Saddam Husseins
beteiligt. Dabei war er Mitglied einer Miliz, die innerhalb einer
Woche 17.000 Menschen abschlachtete, darunter 5.000 Kommunisten. [6].
Ein hoher Funktionär der IPA, Awni al Kalemj, früher enger
Vertrauter Saddam Husseins meint, dass, »wenn man die Besatzer
schlagen will, [es] nur einen Weg [gebe], einen Guerillakrieg, den
bewaffneten Kampf«. [7] Die IPA bekennt sich offen dazu, dass
ihre Ziele nicht nur Soldaten und Repräsentanten der Besatzungsmächte
seien, sondern alle, die mit ihnen kollaborieren.
Raussendorffs AIK ist ein Querfrontprojekt, das rechten wie linken
Antisemiten Tür und Tor öffnet. Zum Thema Israel –
und nichts anderes ist hier zu erwarten – reproduziert das Blatt
die üblichen antizionistischen Klischees: Raussendorff spricht
in einem Artikel vom »Besatzungsterror Israels in Palästina«,
behauptet, die israelische Armee werde für die »Massenvertreibung
[der Palästinenser] gedrillt« und erklärt, Israel
plane die »Vernichtung der Palästinenser als Nation«.
[8] Darüber hinaus werden in der AIK auch Texte anderer Israelfeinde
dokumentiert. So darf sich eine Autorin auf der Homepage der AIK z.B.
darüber beschweren, dass Deutschland mit der »Auschwitz-Keule«
erpressbar bleibt [9] und Verschwörungstheorien wiedergeben:
Die Kooperation zwischen Israel und den USA, so wird erklärt,
»wurde erheblich dadurch begünstigt, dass immer mehr jüdische
Hardliner in den USA wichtige Positionen inne haben. Obwohl häufig
gegenüber jüdischen Beamten und Politikern der Vorwurf der
Doppelloyalität erhoben wird, sehen vor allem die Scharfmacher
unter ihnen keinen echten Widerspruch zwischen den israelischen und
US-Interessen.« [10]
Das alles wissen die brennenden Antizionisten der DKP Halle/Merseburg
und deren krudes Umfeld aus ATTAC, FAU und wie sie alle heißen
ganz genau. Dicht geschlossen sind die Reihen jeden Montag, wenn es
heißt, dem Volkszorn gegen »die da oben« Ausdruck
zu verleihen und sich für und mit dem Volk revolutionär
zu fühlen. Extra nach Berlin fährt man, um zusammen mit
Nazis und Islamisten einer israelsolidarischen Demonstration Angst
einjagen zu wollen. Da stört weder Intifada-Gebrüll noch
der erhobene rechte Arm einiger Wahnsinniger. Das Volk muss eben zusammenhalten,
der Hass auf die »westliche Dekadenz«, auf Luxus und individuelle
Freiheit eint DKP, AIK, IPA, Raussendorff und Co. Damit stehen diese
im Übrigen nicht allein. Nach einer Umfrage des NDR Magazins
»Panorama« finden 26 Prozent der Deutschen, dass es sich
bei Terroranschlägen um »legitimen Widerstand« handelt.
[11] Radio CORAX scheint dabei nicht abseits stehen zu wollen.
»No tears for Krauts« Halle,
September 2004
Fußnoten
[1] Klaus Eichner, Gotthold Schramm (Hg.): Kundschafter im Westen.
Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich, Berlin 2003.
[2] Vgl. www.freepalestine.de.
[3] Vgl. www.aikor.de.
[4] Vgl., in: Jungle World Nr. 40 (2004).
[5] Vgl. www.8ung.at/dfg-vk-duisburg/kubafl.html.
[6] Ivo Bozic: »Mindestens eine viertel Kalaschnikow«,
in: Jungle World Nr. 52 (2003).
[7] Ders.: »Jihad als Bewegung«, in: Jungle World Nr.
17 (2004).
[8] Vgl. http://www.aikor.de/info/03040901.pdf.
[9] Vgl. www.aikor.de/info/03040907.pdf.
[10] Ebd.
[11] Vgl. Ivo Bozic: »Die deutsche Baath-Partei«